Wenn traumatisierte Menschen anderen nur noch mit Misstrauen begegnen, wird der Kontakt zu Tieren oft zur ersten vertrauensvollen Brücke hin zu verlässlichen Beziehungen. Unser pferdegestütztes traumapädagogisches Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Traumafolgestörungen.
Für wen ist das Angebot?
Das Angebot ist für Menschen mit Traumafolgestörungen, die
- eine Nähe zu Tieren haben und sich auf Tierkontakte einlassen,
- andere Therapieangebote verweigern,
- das Vertrauen in Menschen verloren haben,
- den Kontakt zu anderen Fachkräften ablehnen,
- nur schwer zugänglich sind oder
- therapiemüde sind.
Unsere Ziele
- Positive, bindungsfördernde Beziehungserfahrungen, damit sich Betroffene integriert, anerkannt und unterstützt fühlen
- Stärkung der Selbstwahrnehmung für Empfindungen und Gefühle
- Hilfen zur Emotions- und Impulsregulation
- Förderung der Mentalisierungsfähigkeit
- Psychoedukation und Unterstützung der kognitiven Einordnung der eigenen Erfahrungen
- Aktivierung der Bewältigungsfähigkeit und Selbstermächtigung (Empowerment) durch Biografiearbeit und das Erlernen von Selbsthilfe
- Beendigung von Reinszenierungen des Traumas
- Stabilisierung
Warum mit dem Pferd?
Mit dem Pferd entsteht ein Beziehungsdreieck aus Klientin oder Klient, Fachkraft und Pferd – die sogenannte Triade. Sie ermöglicht es, auch Menschen zu erreichen, die andere Therapieformen verweigern.
- Pferde können als Eisbrecher wirken und so den Zugang erleichtern.
- Pferde haben einen hohen Aufforderungscharakter und motivieren.
- Die Anwesenheit des Pferdes kann helfen, sich emotional zu öffnen.
- Pferde sind soziale Wesen und lassen viel körperliche Nähe zu – so kann das menschliche Bedürfnis nach Nähe gestillt werden.
- Beim Reiten getragen zu werden, kann Geborgenheit und Vertrauen schenken und frühkindliche Bedürfnisse nachnähren.
- Reiten kann körperlich stabilisieren und antidissoziativ wirken; die Bewegung fördert Aufmerksamkeit, Koordination und Achtsamkeit.
- Mit dem Pferd ist Kommunikation ohne Worte möglich.
- Menschen können eine Bindung zu Tieren aufbauen – das nutzen wir in unserer Arbeit.
Unsere traumapädagogische Grundhaltung
Die Annahme des guten Grundes
„Alles, was ein Mensch zeigt, macht einen Sinn in seiner Geschichte!“
Menschen mit Traumatisierungen zeigen oft Verhaltensweisen, die für ihr Umfeld belastend und herausfordernd sein können. Wir gehen davon aus, dass es gute Gründe für dieses Verhalten gibt, und würdigen es – ein erster Schritt, um gemeinsam andere Verhaltensweisen zu entwickeln.
Wertschätzung
„Es ist gut so, wie du bist!“
Traumatisierte Menschen haben Ohnmacht, Hilflosigkeit und Willkür erlebt und sehen in sich und ihrem Handeln oft keinen Sinn und Wert. Gemeinsam mit den Pferden ermöglichen wir ihnen, sich und ihr Verhalten zunehmend als wertvoll zu erleben. Wir setzen bei ihren Stärken an: Wer tut, was er gerne macht, erlebt sich mit Fähigkeiten und lernt, sich selbst wertzuschätzen.
Partizipation
„Ich trau Dir was zu und überfordere Dich nicht!“
Die eigenen Lebensbedingungen mitgestalten zu können, ist wichtig für die seelische Gesundheit. Traumatisierte Menschen haben einen extremen Kontrollverlust erlebt. Umso wichtiger ist es für sie, Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit zu erfahren – das kann die pferdegestützte Intervention bieten.
Transparenz
„Jeder hat jederzeit ein Recht auf Klarheit!“
Traumatisierte Menschen haben Macht und Hierarchie als etwas Missbräuchliches erlebt. Umso wichtiger ist ein transparenter, verantwortungsvoller Umgang mit Hierarchien, Strukturen und Machtverhältnissen. Wir bieten einen sicheren Ort, der berechenbar ist.
Spaß und Freude
„Viel Freude trägt viel Belastung!“
Psychische Traumata sind eng mit extremen Gefühlen wie Angst, Ohnmacht, Scham, Trauer, Wut und Ekel verbunden – die Waage der Gefühle ist aus dem Gleichgewicht geraten. Gemeinsam mit den Pferden beleben wir die Seite der Freude, damit Belastung und Widerstandsfähigkeit (Resilienz) wieder ins Gleichgewicht kommen.
Der Hof – ein sicherer Ort
Kinder und Jugendliche, die traumatische Erfahrungen machen mussten, sind verunsichert und haben oft kein Vertrauen mehr in ihre Umgebung. Sie brauchen Stabilität, Halt und einen „sicheren Ort“.
Der Sommerhof liegt ruhig direkt an Wald und Wiesen und ist trotzdem gut zu erreichen – ein geschützter Rahmen im Grünen. Unsere sehr gut ausgebildeten Therapiepferde verschiedener Rassen leben in artgerechter Gruppenhaltung. Zur Anlage gehören ein beleuchteter Reitplatz, eine Reithalle, mehrere Wiesen, Paddocks mit Unterständen, ein überdachter Putzplatz, ein Stallgebäude und eine Hütte zum gemütlichen Verweilen. Parkplätze sind ausreichend vorhanden.
Die Einheiten finden grundsätzlich das ganze Jahr und bei jedem Wetter in ruhiger, ungestörter Atmosphäre statt – im Stall und auf dem Reitplatz oder im direkt angrenzenden Wald.
Sie haben Fragen oder möchten mehr über das Angebot erfahren? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular. Den beruflichen Werdegang von Annika Sommer finden Sie unter Über uns.